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Schritt 2: Das Mehrkontenmodell

Was dich in diesem Beitrag erwartet:

Inhaltsverzeichnis

1. Warum brauchst du ein Mehrkontenmodell?

Ein Mehrkontenmodell wird drei wesentlichen Tatsachen gerecht: Es gibt Ausgaben, die regelmäßig auftreten, es gibt Ausgaben, die nahezu sicher in der Zukunft für dich eintreten werden und es gibt Ausgaben, die zwar nicht sicher sind, aber für die du entsprechend vorbereitet sein solltest.

Nahezu sicher ist, dass du irgendwann mal in Rente gehen wirst und dann wahrscheinlich von deinen Rücklagen leben musst, da die gesetzliche Rente allein nicht für deinen Lebensunterhalt reicht. Nicht sicher ist, dass du arbeitslos wirst oder größere Reparaturen für Auto, Haus oder ähnliches bezahlen musst. Das Mehrkontenmodell soll dich dabei unterstützten einen entsprechenden Plan für alle genannten Kategorien umzusetzen. Dieses Modell musst du nicht als das einzig richtige verstehen, aber als eine sehr solide Basis für deinen weiteren Weg.


2. Der wichtigste Teil des Mehrkontenmodell: Ein Girokonto

Für die regelmäßigen Ausgaben, wie sollte es anders sein, benötigst du ein Girokonto. Jetzt komme ich noch aus der Zeit bei der es noch völlig normal war bei der Bank ‘um die Ecke’ ein Konto zu eröffnen und dort quasi von der Wiege bis zur Bahre begleitet zu werden. Wenn du Wert auf eine persönliche Betreuung vor Ort legst, mag das für dich auch heute noch der richtige Weg sein.

Als ehemaliger Angestellter in einer eben solchen Bank, weiß ich aber aus Erfahrung, dass du hier eher nicht zum selber Denken erzogen wirst, sondern ganz im Gegenteil lieber nicht zu viel über die angebotenen Produkte nachdenken sollst. Bankberatung habe ich selten bis nie als etwas erlebt, das gut für dich sein soll, sondern viel mehr gut für Bank und Berater:in. Nimm deine Finanzen lieber selbst in die Hand. 

Das ist normalerweise auch günstiger, da Filialbanken ihre höheren Kosten für Miete und Berater:innen auf dich umlegen werden. Beispielsweise in Form von Kontoführungs- und Abschlussgebühren.

Wenn du also keinen Wert auf den persönlichen Kontakt vor Ort legst, dann ist ein kostenloses Girokonto bei einer Direktbank genau das richtige für dich. Eine Direktbank hat kein Filialnetz und dadurch eine ganz andere Kostenstruktur, was sich häufiger in Form von niedrigeren Kosten für dich bemerkbar macht. 

Achte bei der Auswahl des Kontos auch am besten darauf, dass eine kostenfreie Kreditkarte enthalten ist. Mit dieser kannst du dann in der Regel weltweit bezahlen und bei allen teilnehmenden Banken kostenlos Bargeld abheben. Die ‘gewöhnliche’ Bank- oder auch Girokarte brauchst du nur noch dann, wenn die Kreditkarte nicht akzeptiert wird, was aber eher selten vorkommt.

Ich habe die letzten 2 Jahre nicht mehr mit Bargeld oder Girokarte bezahlt, sondern ausschließlich über meine Kreditkarte in Verbindung mit Apple Pay.



3. Für Rücklagen und langfristig geplante Ausgaben: Das Tagesgeldkonto

Über eine Sache möchtest du dir sicher nicht auch noch Gedanken machen, wenn du deinen Job verlierst oder unerwartete größere Kosten auftreten: Ob du deine laufenden Kosten wie Miete, Lebensmittel und Versicherungen bezahlen kannst. Genau dafür benötigst du im Mehrkontenmodell das zweite Konto: das Tagesgeldkonto. Hier sammelst du getrennt von deinem Girokonto deine Rücklagen für diese alltäglichen Ausgaben. Am besten sollte dieses Konto bei einer anderen Bank als dein Girokonto sein.

Die Höhe deiner Rücklagen kannst du selbst bestimmen. Es sollten jedoch mindestens 3 Monatsgehälter oder 6 Monate deiner notwendigen Alltagsausgaben sein. Diese hast du im Idealfall im Schritt 1 mit Hilfe deines Haushaltsbuchs berechnet. In den aller wenigsten Fällen wirst du auf diese komplette Rücklage angewiesen sein. 

Doch im Ernstfall wird allein das Wissen, dass sie da ist, erheblichen Druck von dir nehmen. Ich selbst habe sogar 12 Mal meine monatlichen Ausgaben zurückgelegt, da ich selbstständig bin und dieses zusätzliche Maß an Sicherheitsgefühl für mich brauche.

Dein Tagesgeldkonto ist auch ganz wunderbar dafür geeignet auf konkrete Ziele hinzusparen, wie beispielsweise ein neues Auto oder einen Urlaub etc. Auch hier hilft es sich konkrete Zahlen als Ziel zu setzen.

Wenn du dich nun fragst, warum du dafür ein weiteres Konto bei einer anderen Bank benötigen solltest, habe ich eine einfache Antwort für dich: Aus den Augen aus dem Sinn. Natürlich könntest du deine Reserve auch auf deinem Girokonto gedanklich ansparen, aber aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass eine sichtbare Trennung zwischen Girokonto und Rücklagen einen erheblichen psychischen Effekt hat.  

Die gedankliche Hürde auf eine nur gedachte Reserve auf deinem Girokonto zuzugreifen, ist erheblich niedriger als eine Überweisung von deinem Rücklagenkonto auf dein Girokonto zu tätigen, nur um dann das Geld für irgendeinen Müll zu verschleudern. Ich versichere dir, dass es dir in diesem Moment ‘falsch’ vorkommen wird. Am besten richtest du einen Dauerauftrag von deinem Girokonto auf das Tagesgeldkonto ein, um den ganzen Prozess zu automatisieren und gar nicht erst in Versuchung zu kommen mal in einem Monat nichts zurückzulegen. 

Wegen der Zinsen, die früher mal Standard auf Tagesgeldkonten waren, lohnt sich ein Tagesgeld momentan meistens nicht, da auch hier häufig 0,0 % Zinsen gezahlt werden. In Zukunft könnte dies aber wieder interessant sein.

Wenn in deinem Haushaltsbuch ein ausreichend hohes monatlich freies Budget zur Verfügung steht, solltest du am besten 10-15% deines Monatsgehalts jeden Monat als Dauerauftrag zurücklegen bis die 3 Monatsgehälter auf deinem Tagesgeldkonto angespart sind. 

Es spricht übrigens auch nichts dagegen mehrere Tagesgeldkonten für dein Mehrkontenmodell anzulegen, um für verschiedene Dinge Rücklagen zu bilden, beispielsweise eins für dein Auto und eins für deine Alltagsausgaben. Immobilienbesitzer:innen sollten sowieso getrennte Rücklagen bilden. So kannst du auch Reserven von dem Sparen für Urlaub, Auto etc. trennen und behältst besser den Überblick.

Mehrkontenmodell eklärt

4. Für die Altersvorsorge und sehr langfristige Ausgaben: Ein Wertpapierdepot

Ich weiß was du jetzt eventuell denken könntest: Wertpapiere, das ist doch wie Roulette, oder? Die Kurzfassung: Nein, absolut Nein. Wenn du dich selbst ein wenig im Griff hast und genügend Zeit mitbringst, dann ist es viel mehr ein sehr guter Weg, um der Niedrigzinsphase zu entkommen und effizient für dein Alter vorzusorgen. 

Durch die richtige Auswahl eines ETFs kannst du deinen Vermögensaufbau gewissermaßen auf Autopilot stellen. Und das beste daran: Du musst weder viel Ahnung von Wertpapieren haben, noch viel Zeit investieren. Was es genau mit ETFs auf sich hat, erkläre ich dir im nächsten Schritt dieser Reihe ausführlich. So viel erlaube ich mir zu teasern: ETFs sind der einfachste Weg in die Weltwirtschaft zu ‘investieren’ und von ihr zu ‘profitieren’.

Dein Wertpapierdepot ist in dem Mehrkontenmodell dein Konto für deine sehr langfristig geplanten Ausgaben (über 15 Jahre) oder noch besser deine Altersvorsorge. Solltest du keine 15 Jahre mehr bis zur Rente haben, dann sind ETFs vielleicht nicht oder nur bedingt das richtige für dich. Aber das kannst du auch nach dem nächsten Schritt noch für dich entscheiden.

Meistens bietet deine Direktbank ein Depot mit an, aber aus zwei dir bereits bekannten Gründen kann es auch hier gut sein das Depot bei einem anderen Anbieter zu haben:

1. Aus den Augen aus dem Sinn: Dein Depot solltest du im besten Fall bis zur Rente nicht anrühren. Wenn du nicht bei jedem Einloggen in das Online-Banking deiner Direktbank dein Depotguthaben siehst, ist die Versuchung geringer darauf zuzugreifen. 

2. Die Kostenersparnis: Ähnlich wie Direktbanken im Vergleich zu Filialbanken, haben sogenannte Neobroker sich noch weiter spezialisiert und können dir so noch günstigere Konditionen für dein Depot anbieten. 

Im Optimalfall solltest du auch hier 10% deines monatlichen Einkommens in einen Dauerauftrag auf dein Wertpapierdepot fließen lassen, aber erst nachdem deine Reserve von 3 Monatsgehältern auf deinem Tagesgeldkonto angespart ist. Bedenke aber immer bei alledem, dass das wichtigste ist, dass du auch dazu stehen kannst. Es ist auch kein Beinbruch, wenn du erst mit niedrigeren Beträgen anfängst, um ein Gefühl für die Abläufe zu bekommen. Du musst dich jederzeit mit der Entscheidung wohl fühlen!

Ich stelle dir hier bewusst noch keinen Depotanbieter vor, da ich möchte, dass du dir erst einen Überblick über das Thema ETF verschafft hast, bevor du anfängst den nächsten Schritt zu unternehmen. Gedulde dich also bitte noch etwas. 💁‍♂️

 

5. Was ist mit dem Rest?

Solltest du zu den Glücklichen gehören, die nach den 20-25% Daueraufträgen jeden Monat noch Geld übrig haben sollten, dann kommen wir wieder zu der Typ-Frage. Bist du jemand, dem/r es wichtig ist, immer ein einigermaßen neues Handy, Auto etc. zu haben? Dann bitte schön, kauf es dir.

Durch das Mehrkontenmodell hast du dir das ‘Recht erkämpft’ guten Gewissens den Rest des Geldes zu verkonsumieren. Du hast ja bereits entsprechend für die ‘wichtigen’ Dinge im Leben vorgesorgt. Wenn du aber wie ich ein Typ Mensch bist, dem es nie sicher genug sein kann und dem es nicht wichtig ist, dass immer alles neu und technisch auf dem neusten Stand ist, spricht nichts dagegen deine Sparquote zu erhöhen, also ab sofort 30-35% zurückzulegen. 

Es sollte nur niemals zum Zwang werden. Weder in die eine noch die andere Richtung. Kauf dir das, was ‘dir’ wichtig ist und mache dich dabei möglichst frei von äußeren Zwängen. Wir alle haben ein Anrecht auf unser persönliches guilty pleasure, das uns glücklich macht, obwohl es eigentlich zu teuer, ungesund oder ähnliches ist.

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