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Was ist ein ETF? – Schritt 3

Was dich in diesem Beitrag erwartet:

Inhaltsverzeichnis

Für die bisherigen Schritte brauchtest du keine Vorkenntnisse und hast sicher bereits ein Girokonto gehabt oder konntest mit dem Begriff “Tagesgeldkonto” zumindest etwas anfangen. Vielleicht hast du sogar schon mal etwas von ETFs gehört, aber innerlich abgeblockt, weil du dachtest es sei ein furchtbar kompliziertes Thema oder nur für Menschen geeignet, die sowieso schon viel Geld haben. Ich kann dich beruhigen: Weder das eine noch das andere trifft zu. Alles was du brauchst ist ein wenig Zeit zu Beginn und die Bereitschaft dich auf etwas neues einzulassen. 

Dafür brauchst du nahezu keine Vorkenntnisse. Wenn du doch mal einen Begriff (Börse, Aktie etc.) nicht genau kennen solltest, kannst du die Begriffe beispielsweise auf Wikipedia nachschlagen. In der Regel reicht dann schon die Einleitung des entsprechenden Artikels um die grundsätzliche Bedeutung des Begriffs zu verstehen.

1. Was ist ein ETF?

ETF ist die Abkürzung für Exchange-Traded-Fund, also einem börsengehandelten (Index-)fonds. Du hast bestimmt schon mal etwas von dem Index DAX gehört, der die Wertentwicklung der 40 größten deutschen börsennotierten Unternehmen abbildet. Ein ETF versucht diese Entwicklung möglichst perfekt abzubilden. Dafür kauft der ETF-Anbieter die Aktien der entsprechenden Unternehmen in dem Index und steckt sie in einen virtuellen Korb. Einen solchen Korb nennt man Fonds. 

Der Gedanke eines Fonds ist, dass man das Risiko der Geldanlage reduziert. Sicher kannst du dir vorstellen, dass der Kauf eines einzelnen Unternehmens aus einer Branche viel risikobehafteter ist als einen Korb mit 40 Unternehmen aus verschiedensten Branchen zu kaufen. Außerdem ist es viel komfortabler und in der Regel günstiger einen Korb zu kaufen als die 40 einzelnen Aktien der Unternehmen.

ETF Zusammensetzung

2. Was unterscheidet einen Indexfonds von einem 'normalen' Fonds?

Im Gegensatz zu Indexfonds versuchen aktive Fonds nicht nur die Wertentwicklung eines Index möglichst exakt abzubilden, sondern wollen ein besseres Ergebnis erzielen. Sie versuchen den Markt zu ‘schlagen’. Dafür kauft das Fondsmanagement die Aktien nicht in gemäß ihrer Anteile am Index in den Fonds, sondern sucht ‘aktiv’ Aktien aus dem Index aus und kauft diese. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass sich der Wert dieser Unternehmen besser entwickelt als der der übrigen.

Wenn du in die Bank deines ‘Vertrauens’ gehen und dich beraten lassen würdest, dann würde man dir sicher sagen, dass die Experten hinter den Fonds viel besser überblicken können, welche Aktien sich gut entwickeln werden und dementsprechend diese stärker in ihren Fonds gewichten. 

Eben das ist aber nicht der Fall.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass nur die wenigsten Fondsverwalter:innen es überhaupt schaffen ihren Vergleichsindex zu schlagen. Vor allem langfristig gelingt ihnen das nicht und es ist für dich natürlich auch nicht im Voraus ersichtlich welcher Fonds sich in Zukunft positiv entwickeln wird. Umso länger der Anlagezeitraum, um so wahrscheinlicher ist es, dass Fonds ihren Index nicht schlagen. Hier ein Beispiel für die Entwicklung aktiver Fonds, die in den US-amerikanischen S&P 500 investieren:

Was ist ein ETF? S&P Outperformer
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3. Was ist passives Investieren?

Vielleicht kam dir jetzt schon der Gedanke: Wenn über 90% Prozent der aktiven Fonds den Index nicht schlagen, wäre es dann im Umkehrschluss nicht verlockend in den Index zu investieren und damit auf der ‘richtigen’ Seite der Wahrscheinlichkeit zu stehen? Genau das ist der richtige Gedanke. Die Antwort auf deine Frage ist das passive Investieren in ETFs. 

Anstatt dich überhaupt mit dem Gedanken zu beschäftigen den Markt zu schlagen, akzeptierst du die erdrückende Last der Beweise gegen aktives Investieren und möchtest lieber sicher die Marktrendite einstreichen, also die Entwicklung des Index abbilden. Eben das ermöglichen ETFs. 

ETFs wählen nicht aktiv die Aktien aus, die sie kaufen möchten, sondern versuchen die Gewichtung einzelner Aktien im Index auch im ETF möglichst genau abzubilden und lassen dem Markt dann freie Hand. Sie sind folglich passiv. Und ebenso passiv kannst auch du bei deiner Anlage sein und ganz entspannt Monat für Monat dein Vermögen aufbauen, ohne dich ausufernd damit beschäftigen zu müssen. 

Es gibt unter anderem wegen dieser Passivität auch Kritik an ETFs, auf die ich in einem der nächsten Artikel noch genauer eingehen werde. Gleich vorweg: Überwiegend halte ich die Kritik für haltlos, aber wenn du investierst, dann bitte mit dem guten Gefühl, dass du dich mit eventuellen Risiken beschäftigt hast.

4. In welchen ETF soll ich investieren?

Nicht jeder ETF ist ‘wirkliches’ passives Investieren. Möchtest du möglichst alle Länder- und Sektorenrisiken ausschalten, solltest du global und über alle Wirtschaftssektoren streuen. Ein DAX-ETF käme dafür gleich doppelt nicht in Frage, da er nur Unternehmen aus einem Land abbildet, die noch dazu bislang sehr stark von der Automobilindustrie abhängig waren.

Häufig wirst du als Empfehlung den MSCI World lesen, der ca. 1.500 Aktien aus 23 Industrienationen bündelt. So zum Beispiel die USA, Deutschland, Japan etc. Schwellenländer wie China bleiben hier jedoch außen vor.

Am ruhigsten schläft es sich meinem Empfinden nach aber mit dem MSCI-All-Country-World, da wie der Name schon vermuten lässt, hier möglichst die Weltwirtschaft abgebildet wird. Dafür werden ca. 3.000 verschiedene Aktien in den Index gepackt. Schaust du dir an, welche die größten Einzelpositionen in dem Index sind, findet du sicher den ein oder anderen bekannten Namen:

Was ist ein ETF? Größte Einzelpositionen

Eine Sache fällt dir sicher sofort auf. Bei 9 dieser 10 Unternehmen bzw. Aktien handelt es sich um US-amerikanische Titel. Sicher könnte man hier kritisieren, dass dadurch das Länderrisiko eben nicht ausgeschaltet ist und hätte damit nicht einmal ganz unrecht. Denn abseits der größten Positionen liegt der Anteil von US-Unternehmen im Index bei insgesamt ca. 58%.

Das ist aber vor allem der Tatsache geschuldet, dass die größten Unternehmen nun mal in den USA beheimatet sind. De facto machen diese Unternehmen jedoch jeweils ihre Umsätze weltweit und nicht zwingend primär in den USA. Es sollte dir dennoch bewusst sein, dass der größte Teil des Index und somit auch ETFs aus US-Werten besteht.

5. Welche Chancen ergeben sich aus der Anlage in ETFs?

Die wichtigste Frage zum Schluss. Warum machen wir überhaupt das Ganze und sind mit der Anlage in ETFs nicht auch Risiken verbunden?

Auch wenn du dich bislang nicht mit der Börse beschäftigt hast, dann wirst du dennoch das ständige Auf und Ab der Börsenkurse vor Augen haben, das hin und wieder zufällig über einen Bildschirm flimmerte. Eben dieses Auf und Ab kann im ersten Moment beängstigend wirken und lässt bei vielen den berüchtigten ‘Börse-ist-wie-Casino’-Eindruck entstehen. Tatsächlich werden auch ETFs nicht davor bewahrt, aber vielleicht fällt dir an dem Chart des MSCI-World dennoch etwas auf, was Mut machen könnte:

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Ich denke man kann über einen Zeitraum von knapp 30 Jahren unterstellen, dass durchaus ein Trend zu erkennen ist, oder? Das viel diskutierte Risiko ergibt sich also in erster Linie aus einem zu geringen Anlagezeitraum. Hättest du beispielsweise auf dem Hoch der Dotcom-Blase in den MSCI World investiert, dann hättest du durchaus eine lange Durststrecke miterlebt, da wenige Jahre darauf die Weltfinanzkrise folgte. Tatsächlich hättest du in diesem Fall erst nach 14 bis 15 Jahren deinen Verlust wieder wett gemacht. 

Es handelt sich dabei aber wirklich um ein Szenario, das eher selten so eintritt und unterstellt, dass du eine Einmalanlage machst und danach nicht weiter investierst. Dennoch sollte dein Anlagehorizont immer mindestens 15 Jahre betragen und im Optimalfall bis zur Rente. Anhand des Charts siehst du, dass ein ausreichend langer Atem ( > 30 Jahre) durchaus für Renditen von 600-700% sorgen kann.

Um zu vermeiden, dass du eben solche Hochs wie während der Dotcom-Blase erwischst bzw. einen erheblichen Nachteil davon hast, sind regelmäßige kleine Sparraten das gängige Mittel. Mehr dazu im nächsten Artikel.

6. Darf ich jetzt endlich investieren?

Du hast jetzt einen ersten Überblick über das Thema ETF und passives Investieren erhalten. Im nächsten Artikel verlange ich dir ein paar kleine Entscheidungen ab, die du im Vorfeld für dich treffen musst. Danach kannst du dann endlich zur Tat schreiten und deinen ersten ETF kaufen.

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